Baustein zur Schulkonzeption
Erste Überlegungen

 

Schule in Berlin-Mitte
Die Schule ist auf dem Gelände des ehemaligen Franziskaner-Klosters Ort der Bildung und der Verkündigung. Sie sammelt und sendet. Sie ermutigt zur Praxis Pietatis nicht nur Schülerschaft, Kollegium und Eltern, sondern auch Anwohner und Besucher.

  Das Gebäude ist offene Kirche. Bildung und Diakonie finden im Stadtteil statt. Die Schule ist Agora, Marktplatz; sie versammelt Schulgemeinschaft und Öffentlichkeit zu Gespräch, Ausstellung, Schauspiel und Musik, zum Diskurs zum Besten der Stadt.
 

Die Schule begreift ihr Umfeld als Lernumgebung, aus der ihr soziale und kulturelle Aufgaben zuwachsen, in die sie aber auch Arbeitsergebnisse abgibt. Das Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster verbindet die Funktion einer Stadtteilschule mit der einer Schule von überregionaler Bedeutung. Schülerschaft und Eltern aus ganz Berlin und dem Umland bereichern das Leben im Stadtteil und beleben die historische Innenstadt.

 

Die Architektur des Schulgebäudes wird der Offenheit von Schule und Kirche gegenüber der Stadt Rechnung tragen.

 

Geschichte

Die Schule transportiert eine vielfältige Geschichte, die am alten Ort zusammengeführt wird. Der Dialog der unterschiedlichen Traditionen (Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster als Schule des Bürgertums, Evangelisches Gymnasium und schließlich Teile der Lehrer- und Schülerschaft der 2. EOS als Tradenten humanistischer Bildung in der DDR) wird fruchtbar gemacht für Bildungs- und Schulkonzeption.

 

Evangelische Schule

Unterrichtsarbeit und Schulleben sind gegründet auf dem Bekenntnis zum Evangelium Christi. Dies wird besonders deutlich in Festgottesdiensten und in der Arbeit des Fachs Evangelische Religion mit  seinen fächerübergreifenden Vernetzungsmöglichkeiten. Das evangelische Profil drückt sich weiter aus in der Unterstützung und Erschließung diakonischer Projekte, im Engagement für den ökumenischen Zusammenschluss und in der Beteiligung am interreligiösen Dialog. In der Arbeit von Fächern aller drei Aufgabenfelder wird die Orientierung auf das völkerverbindende Weltethos als Antwort auf die Herausforderung der Globalisierung angestrebt.

 

Schule als Lern- und Lebensort

Die Verkürzung der Schulzeit und die Vermehrung der zu bewältigenden Aufgabe für Lehrende und Lernende erfordern neue Methoden des Unterrichts, die Vernetzung der Fächer und die Anpassung der Schulorganisation. Dabei entwickelt sich die Schule vom bloßen Lernort im komprimierten Halbtagsbetrieb zum Lebensort, der neben fachlicher Arbeit auch Zeit und Raum für die Erfahrung von Gemeinsamkeiten in anderen Bereichen des Lebens bietet.

 

Schule als Polis

Über die Vermittlung von Fachkenntnissen hinaus ist Schule ein von Lehrern und Schülern, Eltern und Schulträger gemeinsam zu gestaltender Handlungsraum. Partizipation und Demokratie als durchgängige Prinzipien ermöglichen die Zusammenarbeit vieler Individuen bei der Organisation von Schule als einem komplexen Zusammenhang. Das Leitbild der Polis vermittelt den Schülern politische Kompetenz für ihre Zukunft im gesellschaftlichen Leben.

 

Wissensmanagement

Die Schule gibt Strukturen vor, die exemplarisches und interdisziplinäres Lernen ermöglichen und notwendig machen. Es ist wichtig zu wissen, „wo etwas steht“ bzw. „wer etwas weiß“; dafür werden die informatorischen Grundlagen für eine Kultur des Nachfragens bei anderen gelegt. Diese Ressourcen kommen der Schule selbst, der Stadt und der Kirche in der Stadt zugute.

 

Sprachen

Sprachliche Kompetenz ist der Schlüssel für gegenseitiges Verstehen und gemeinsames Handeln der Individuen und Völker. Die Schule vermittelt sie in unterschiedlicher Weise. Griechisch und Latein als Gründersprachen europäischer Kultur kommt dabei eine besondere Bedeutung zu; sie eröffnen den Zugang zur Geschichte des alten Europa und führen in seine philosophischen und theologischen Grundlagen ein. Englisch ist die Arbeitssprache der modernen Welt und wird wie Lesen, Schreiben oder Rechnen als Kulturtechnik erworben. Im zusammenwachsenden Haus Europa müssen Deutschland und seine Hauptstadt Berlin eine Brückenfunktion zwischen West und Ost wahrnehmen; um dies praktisch zu ermöglichen, soll mit Polnisch oder Russisch (oder möglicherweise auch Chinesisch) das Erlernen einer vierten Fremdsprache angeboten werden.

 

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